Kamera und Hochzeitsfotografie

Kamera

Hier ist natürlich die Frage: Habt ihr schon eine Kamera, die ihr auf Hochzeiten einsetzen möchtet, und wisst nicht, ob diese geeignet dafür ist? Oder möchtet ihr euch eine Kamera kaufen und wollt wissen, welche in eurem Budgetrahmen für Hochzeiten die beste Wahl ist? Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Es gibt einfach zu viele Modelle auf dem Markt und wichtig sind nur die verschiedenen Kriterien. Außerdem möchte ich behaupten, dass fast jede Kamera mit dem richtigen Handling und Blick des Fotografen die richtigen Bilder machen wird.

Im Umkehrschluss sei gesagt, auch das teuerste und beste Equipment wird demjenigen nicht helfen können, dem der Blick fürs Fotografieren fehlt. Ich würde daher eine Kamera wählen, die folgende Kriterien mitbringt und (und berücksichtigt bei eurem Kauf, dass natürlich die Objektive einen wichtigen Dienst dazu beitragen). Hier solltet ihr also abwägen, wie ihr euer vorhandenes Budget am besten aufteilt.

Vollformat: Ja oder Nein

Die Frage nach Vollformat (bei Nikon FX) ist natürlich oft auch die des Preises. Vollformatkameras sind meist höher vom Preis angesiedelt als Kameras mit Sensor im APS-C Format (bei Nikon DX). Der Umstieg aufs Vollformat war für mich nicht ganz leicht und muss vielleicht auch ein wenig geübt werden. Nicht nur waren meine ganzen langen Brennweiten auf einmal "dahin". Natürlich ändert sich auch eure Tiefenschärfe. Wo früher eine Offenblende von 2.8 perfekt war, brauche ich jetzt vielleicht eher eine Blende 4.

Es wird ein Weilchen dauern, bis man den neuen Abstand zum Motiv und die jeweilige Tiefenschärfe wieder richtig einschätzen kann. Ich habe die Vorzüge des Crop-Faktors immer geschätzt, besonders als ich aufs Vollformat umgestiegen bin und mir diese erst richtig bewusst wurden. Heute vermisse ich es immer noch und überlege tatsächlich wieder eine DX-Kamera anzuschaffen. Nur für mich, zum Genießen. Wie alles im Leben eine Frage des Geschmacks.

Autofokus

Ein schneller Autofokus ist wichtig. Zwischen günstigen und großen Modellen ist hier natürlich ein extremer Unterschied bemerkbar. Für Hochzeitsbilder ist ein schneller und präziser Autofokus natürlich unabdingbar. Hier gilt es wirklich, dem Geldbeutel entsprechend, das beste Kameramodell zu erwerben mit einem möglichst guten Autofokus. Natürlich ist dies ein Zusammenspiel zwischen Kamera und Objektiv.

ISO

Natürlich ist es meist so, dass die billigsten Kameras das meiste Rauschen bei hohen ISO-Werten mitbringen. Aber die Kameras werden heutzutage immer besser und wahrscheinlich wird einem Brautpaar, das glücklich über schöne Aufnahmen ist, überhaupt nicht so sehr auffallen, wie sehr ein Bild eventuell rauscht. Auch ich habe Schwierigkeiten, aus den Testbildern der großen Kameras schlau zu werden. So sehe ich z.B. Testbilder von D3s und D4, die mich nicht gerade bestärkt haben, auf die D4 umzusteigen, und kann kaum einen Unterschied erkennen.

Allerdings sagen die Fotografen in der Praxis, es wäre ein erheblicher Unterschied zu erkennen. Hier möchte ich wiederholen, dass das ISO-Rauschen für jeden Fotografen und jeden Betrachter des Fotos unterschiedlich ausfällt und man hier auch seine eigene Schmerzgrenze (motivabhängig) herausfinden muss. Dennoch sollte es natürlich immer im Rahmen bleiben und eine gute Kamera verzeiht hohe ISO-Werte mehr als ein kleineres Modell.

Eine dunkle Kirche ohne Blitzlicht fotografieren: Hohe Ansprüche an Lichtstärke und ISO.

Megapixel

Ganz kleine Kameramodelle haben manchmal auch sehr kleine Megapixel-Zahlen. Ich würde vielleicht darauf achten, dass ihr auf ca. 12 Megapixel kommt. Es gibt auch noch kleine Modelle, wie meine erste Kamera, die nur 6 Megapixel hatten. Gerade, wenn ihr Fotos beschneidet, dann könnte das für euer Brautpaar schon einmal eng werden, wenn sie aus euren Fotos großformatige Drucke machen möchten. Da solltet ihr euch nicht zu sehr einschränken. Es heißt aber nicht: je mehr, desto besser. Es muss nicht zu viel sein!

Schnelligkeit

Die Schnelligkeit spielt meiner Meinung nach keine große Rolle bei der Hochzeitsfotografie. Hier braucht ihr euch eigentlich nicht unbedingt nach den Aufnahmen pro Sekunde zu richten.

Speicherkarten-Fächer / Doppelsicherung

Toll ist es natürlich, wenn eure Kamera direkt zwei Speicherkartenfächer mitbringt. So könnt ihr direkt eine Doppelsicherung vornehmen, wenn ihr auf einer Hochzeit fotografiert. Mir ist bisher noch NIE etwas passiert, ich habe bisher noch nie einen Totalausfall einer Speicherkarte gehabt, noch nie Fotos verloren. Aber sicher ist sicher. Ich höre immer wieder von solchen Fällen. Hochzeitsfotos dürfen niemals verloren gehen! Wenn es also möglich ist, schaut, ob eure Kamera das kann, wenn ihr sie kauft. Oder habt direkt einen Notfallplan zur Auswanderung parat ... Ich möchte das niemals einem Brautpaar beibringen müssen.

Ansonsten möchte ich hier keine Modelle aufführen. Ich würde euch empfehlen, für euer Budget die bestmögliche Kamera nach den o.g. Kriterien zu wählen. Vorsichtig würde ich sagen, dass ihr für eine Kamera, die wirklich für gute Hochzeitsfotos reichen soll, wenn ihr Hobbyfotograf seid, 800-1.000 Euro veranschlagen solltet, wenn möglich natürlich gerne mehr. Nach oben könnt ihr euch immer steigern, es ist auch nicht verboten, mit kleineren Modellen zu arbeiten, aber wenn ihr irgendwann gegen Bezahlung eure Hochzeitsfotos anbieten möchtet, dann solltet ihr über die Anschaffung von besserem Equipment nachdenken.

Als ich in die Fotografie eingestiegen bin, da hatten hier im Umkreis die meisten Berufsfotografen eine Canon- oder Nikon-Kamera, die um die 2.000 Euro lag, und meist das gleiche Modell als Reserve. Das war damals auch meine D700. Als ich dann auf drei Hochzeiten in einem Jahr Hochzeitsgäste neben mir stehen sah, die die D3 um den Hals hängen hatten, da war ich die Scham leid und habe mir die D3s gekauft. Heutzutage haben viele Hobbyfotografen, die das nötige Kleingeld haben, sehr gute und teure Kameras. Natürlich sagt das nichts über die Qualität der Bilder aus, denn schließlich macht der Fotograf das gute Bild, nicht alleine die Kamera.

Aber mir als Berufsfotograf war es unendlich peinlich, dass ich selbst eine kleinere Kamera hatte als Hobbyfotografen auf dieser Hochzeit. Ich weiß nicht, wie andere Fotografen damit umgehen, aber das war der Hauptgrund, hier nicht stehenbleiben zu wollen, und ich denke, dass jeder Fotograf irgendwann sein Equipment weiter ausbauen muss.