Was macht einen guten Hochzeitsfotografen aus

Was macht einen guten Hochzeitsfotografen aus?

Nach fast 150 begleiteten Hochzeiten (standesamtlich und kirchlich) weiß ich heute, was bei der Hochzeitsfotografie wirklich wichtig ist. Was der Grund dafür ist, warum man weiterempfohlen wird, warum man gelobt wird und was die Paare von einem Hochzeitsfotografen wirklich erwarten. Auf den folgenden Seiten zeige ich euch, worauf es ankommt.

Was aber noch viel wichtiger ist: wie man selbst wirklich zu einem guten Hochzeitsfotografen wird. Neben den schönen Fotografien der Hochzeit steht nämlich noch viel mehr auf deinem Programm!

Habe Spaß an dem, was du machst

Das ist sicherlich der wichtigste Punkt und das entscheidende Kriterium. Denn nur wer seine Arbeit liebt, wird sie richtig machen. Die nötige Motivation und die erforderliche Geduld muss vorhanden sein. Du wirst also schnell für dich herausfinden, ob dir die Arbeit als Hochzeitsfotograf liegt oder nicht.

Es wird immer Sachen geben, die du bei Hochzeiten mehr magst als andere. Das ist ganz normal. Ich z.B. liebe die Brautpaar-Reportage. Wenn ich das Paar nur für mich habe, es mit der Kamera lebendig und emotional einfangen kann. Dagegen bin ich immer froh, wenn die Gruppenfotos im Kasten sind, weil ich dies als etwas anstrengender empfinde als den restlichen Teil meiner Arbeit.

Lebt man für die Hochzeitsfotografie und freut sich darauf, den wichtigsten Tag für ein Paar einfangen zu dürfen, dann ist die Hochzeitsfotografie genau das Richtige. Bring dein Paar zum Lachen, stecke es an mit deiner guten Laune. Animiere das Paar, miteinander aktiv zu werden und manchmal auch ein bisschen Blödsinn vor der Kamera zu machen. So lachte meine hübsche Braut, weil ich den Bräutigam bat, ihr einen schmutzigen Witz ins Ohr zu flüstern.

Immer gut drauf, egal, was passiert!

Wer mir sagen möchte, dass Hochzeitsfotografie leicht ist, dem muss ich widersprechen. Es gibt natürlich einfache und schwierigere Hochzeiten. Das hängt von unsagbar vielen Faktoren ab. Wie sind die Begebenheiten? Wie ist die Laune der Gäste? Welche Location ist gewählt und wie sind dort die Lichtverhältnisse? Und, und, und.

Man kommt gerade bei längeren Begleitungen nicht umhin, emotional angesteckt zu werden. Das ist einfach so. Ist das Paar gestresst und man wirkt nicht dagegen, so wird man selbst irgendwann gestresst sein.

Es gibt Hochzeiten, da wird man als Fotograf von Fragen überhäuft und jeder möchte einen Ratschlag geben, jeder Gast möchte seine eigenen Ideen einbringen, die Eltern des Paares fragen alle zwei Minuten nach den Familienbildern und die Hobbyfotografen möchten wissen, warum man mit diesem Objektiv oder jener Einstellung fotografiert. Dabei musst du aber noch deinen Job im Auge haben!

Die Kunst ist es, sich davon nicht überfordern zu lassen. Ruhig und sachlich zu reagieren und sich nicht vom eigenen Weg abbringen zu lassen.

Wenn 120 Gäste nicht auf ein Gruppenbild wollen und jeder seine eigene Idee verwirklichen möchte, welcher Hintergrund dafür jetzt gerade der Beste ist, muss man schon einmal die Ellbogen ausfahren und der Chef sein. Aber immer mit einem Lächeln im Gesicht. Schlechte Laune und Stress sind ein absolutes No-Go! Egal, was passiert. Auch wenn dir die Gäste beim Tanzen auf den Füßen stehen, du abends deine Arme nicht mehr spürst und dich schon 20 Leute gefragt haben, warum du in Innenräumen mit der Gegenlichtblende fotografierst: Lass das nicht an dich heran! Liebe deine Arbeit und bringe immer die nötige Geduld auf. Sonst hast du keinen Spaß an dem, was du tust. Steige auf einen Stuhl und feiere mit den tanzenden Gästen. Halte jede Art von Stress von dir fern.

Gib Starthilfe!

Jeder, der beruflich regelmäßig mit Hochzeiten in Kontakt kommt, könnte wahrscheinlich nach einer gewissen Anzahl begleiteter Hochzeiten ein guter Wedding-Planer werden. Warum? Weil man irgendwann mit so gut wie allen Situationen konfrontiert wurde. Weil man genau weiß, wo die Probleme liegen können und was unter Umständen schiefgehen kann. Somit gehört es irgendwann dazu, dass du schon bei der Erstberatung deinem Paar ein paar wichtige Tipps mit auf den Weg geben kannst, um die Hochzeit eventuell besser und auch stressfreier zu gestalten. Dazu folgen weitere Erläuterungen im Teil 02 Vorbereitungen.

Sei mehr als ein Fotograf

Ein guter Fotograf spürt, wenn das Paar gerade überfordert ist, wenn die Braut mit ihren Emotionen zu kämpfen hat oder gerade einmal eine Pause braucht. Es ist schwer vorstellbar, was auf so ein Brautpaar, das diesen Tag bis ins kleinste Detail monatelang geplant hat, einwirkt.

Die Braut möchte alles perfekt haben, da kann ihr Regenwetter schon einmal die Laune verderben. Auch die Glückwünsche und Umarmungen bei großen Feiern können ermüdend sein, weil das Brautpaar ja immer im Mittelpunkt steht. Jeder möchte noch schnell ein Foto mit dem Paar, alle wollen ihre liebevoll gebastelten Geschenke abgeben und dazu noch ein paar Worte verlieren und die Familie drängelt schon wegen des Zeitplans.

Dann bist du natürlich ein weiterer Faktor, der auf das Paar einwirkt. Denn du hast die Vorgabe erhalten, was das Paar sich von dir wünscht. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt und manchmal musst du auch entscheiden, dass das Brautpaar jetzt wirklich genug hat und eine Pause braucht. Beobachte einfach das Paar und sei für es da. Manchmal auch als unsichtbares Schutzschild. Du kennst den Ablauf besser als das Brautpaar, das gar nicht weiß, was da alles auf es einwirken wird.

Sieh zu, dass du dem Stress entgegenwirkst, wo du kannst. Koordiniere am Tag der Hochzeit, was möglich ist, mit den Trauzeugen oder den Eltern, anstatt die Brautleute zu fragen! Halte alles vom Paar fern, was nicht nötig ist. Sei immer unsichtbar und doch präsent, wenn plötzlich etwas fotografiert werden soll und man nach dir verlangt.

Glaub mir: Du hast als Fotograf eine tolle Position, um dem Brautpaar zu helfen. Einige Beispiele möchte ich dafür benennen, und wenn du selbst es so handhabst, wirst du sehen, dass es funktioniert.

Vor einigen Wochen kam ich zu den Vorbereitungen der Braut, als es draußen regnete. Die Arme war völlig aufgelöst und sehr traurig. Ich kam freudestrahlend herein und sagte: "Hey Liebes, ich habe die Sonne mitgebracht!" Ich habe dabei nicht gelogen, es wurde tatsächlich immer heller draußen. Dann habe ich mit einigen lockeren Sprüchen, vielen ernst gemeinten Komplimenten und ein paar ablenkenden Fragen dafür gesorgt, dass sie das Wetter ganz schnell vergessen hat.

Bei einer anderen Hochzeitsfeier brach ein kleiner Familienstreit aus, was schon mal passieren kann. Ich habe mich schnell anderen Geschehnissen gewidmet und Details fotografiert, wurde sozusagen unsichtbar. Als sich eine kleine Pause bot, habe ich blitzschnell das Paar "entführt" und die Reportage vorgezogen. Dann kehrte endlich Ruhe ein und das Paar konnte entspannen.

Sei aktiv am Geschehen beteiligt, auch wenn das heißt, dass du die Kamera mal aus der Hand legen musst. Du kannst Geschenke abnehmen, wenn die Trauzeugen beschäftigt sind, das Kleid zu richten helfen oder ein ehrlich gemeintes Lächeln schenken, wenn du sonst gerade nichts tun kannst. Dann bist du der perfekte Hochzeitsfotograf! Das alles klappt, wenn du mit dem Herzen dabei bist.